Zweimal im Jahr dieselbe Frage: Wann müssen die Dienstwagen in die Werkstatt, wo liegen die eingelagerten Sätze, und welche davon haben noch genug Profil? Bei einem einzelnen Dienstwagen ist das schnell geklärt. Bei 50 oder mehr Fahrzeugen wird der Reifenwechsel dagegen zum Projekt mit vielen Beteiligten, engen Zeitfenstern und rechtlichen Risiken.
Ein strukturiertes Reifenmanagement sorgt dafür, dass jeder Dienstwagen zur richtigen Zeit richtig bereift ist. Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede zwischen Winterreifen, Sommerreifen und Ganzjahresreifen, fasst die Regeln zur Winterreifenpflicht zusammen und zeigt, wie Fuhrparkmanager die Umrüstung für große Flotten planen und digital steuern.
Kurz erklärt: In Deutschland gilt keine Winterreifenpflicht nach Datum, sondern eine situative Pflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf nur mit Winterreifen oder Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol gefahren werden. Seit dem 1. Oktober 2024 reicht die alte M+S-Kennzeichnung allein nicht mehr aus. Verstöße kosten den Fahrer ab 60 Euro und einen Punkt, den Halter 75 Euro und einen Punkt. Für Flotten ab etwa 50 Fahrzeugen empfiehlt sich ein zentral geplanter Reifenwechsel mit festen Zeitfenstern, Werkstattpartnern und automatischen Erinnerungen.
Inhalt
- 1. Was ist Reifenmanagement?
- 2. Winterreifen, Sommerreifen und Ganzjahresreifen
- 3. Winterreifenpflicht: Ab wann gilt sie?
- 4. Bereifung als Teil von Wartung und Instandhaltung
- 5. Reifenwechsel für 50+ Fahrzeuge organisieren
- 6. Wo sich Kosten senken lassen
- 7. Digital steuern mit Fuhrparksoftware
- 8. Fazit
- 9. FAQ zur Bereifung im Fuhrpark
- 10. Weitere nützliche Artikel
Was ist Reifenmanagement?
Reifenmanagement umfasst alle Aufgaben rund um die Bereifung einer Flotte: von der Auswahl und Beschaffung über den saisonalen Wechsel und die Einlagerung bis zur Kontrolle von Profiltiefe, Luftdruck und Reifenalter. Ziel ist, dass alle Dienstwagen jederzeit verkehrssicher und rechtskonform bereift sind und die Kosten über die gesamte Nutzungsdauer kalkulierbar bleiben.
Zu den typischen Aufgaben gehören:
- Bestandsübersicht: Welche Sätze sind auf welchem Dienstwagen montiert, und wo lagert der zweite Satz?
- Saisonale Planung: Termine für den Wechsel auf Winter- bzw. Sommerreifen rechtzeitig vereinbaren.
- Zustandskontrolle: Profiltiefe, Beschädigungen, Reifendruck und Alter regelmäßig prüfen.
- Ersatz und Beschaffung: abgefahrene oder beschädigte Reifen rechtzeitig ersetzen, idealerweise zu Rahmenkonditionen.
- Dokumentation und Kosten: Wechsel, Einlagerung und Rechnungen je Auto nachvollziehbar erfassen.
Winterreifen, Sommerreifen und Ganzjahresreifen
Ob Winterreifen, Sommerreifen oder Ganzjahresreifen: Jeder Reifentyp hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Welche Bereifung die richtige ist, hängt vor allem von den Witterungsbedingungen, dem Einsatzgebiet und der Fahrleistung ab. Gerade bei Dienstwagen lohnt es sich deshalb, die Unterschiede zu kennen.
Winterreifen
Winterreifen haben eine weichere Gummimischung, die auch bei niedrigen Temperaturen elastisch bleibt, und ein Profil mit vielen feinen Einschnitten (Lamellen), das sich mit Schnee und Eis verzahnt. Ihre Stärken spielen sie bei Kälte, Nässe, Schnee und Matsch aus. Als Winterreifen im rechtlichen Sinn gelten in Deutschland seit dem 1. Oktober 2024 nur Reifen mit Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke (3PMSF).
Sommerreifen
Sommerreifen haben eine härtere Gummimischung und ein Profil mit weniger Lamellen. Bei warmen Temperaturen bieten sie kürzere Bremswege und ein präziseres Fahrverhalten als Winterreifen. Bei Kälte, Schnee und Eis verlieren sie jedoch deutlich an Haftung. Unter winterlichen Straßenverhältnissen ist das Fahren mit Sommerreifen deshalb nicht erlaubt.
Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss aus beiden Reifentypen. Sie ersparen den saisonalen Wechsel, bieten aber je nach Modell weder die Winter- noch die Sommerleistung spezialisierter Modelle. Rechtlich gelten sie nur dann als Winterreifen, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Für Dienstwagen, die überwiegend in Städten und Regionen mit milden Wintern unterwegs sind, können sie eine sinnvolle Option sein, für Vielfahrer im Außendienst oder in Mittelgebirgen eher nicht.
Winterreifenpflicht: Ab wann gilt sie?
In Deutschland regelt § 2 Abs. 3a StVO die situative Winterreifenpflicht. Sie gilt nicht ab einem festen Datum, sondern immer dann, wenn winterliche Straßenverhältnisse herrschen: bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Dann müssen alle Räder mit Winterreifen oder Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol ausgerüstet sein.
Als Faustregel hat sich „von O bis O“ etabliert, also von Oktober bis Ostern. Rechtlich verbindlich ist dieser Zeitraum nicht, für die Planung eines Fuhrparks ist er aber ein guter Orientierungsrahmen.
Wer gegen die Winterreifenpflicht verstößt, riskiert nach dem Bußgeldkatalog folgende Sanktionen (Stand: Oktober 2026):
| Verstoß | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| Fahren ohne geeignete Bereifung | 60 Euro | 1 |
| … mit Behinderung anderer | 80 Euro | 1 |
| … mit Gefährdung anderer | 100 Euro | 1 |
| … mit Unfall | 120 Euro | 1 |
| Halter ordnet die Fahrt an oder lässt sie zu | 75 Euro | 1 |
Für Unternehmen ist die letzte Zeile entscheidend: Auch der Halter kann belangt werden, wenn er eine Fahrt mit ungeeigneter Bereifung anordnet oder zulässt. Fahrer und Halter können also nebeneinander ein Bußgeld erhalten. Hinzu kommen mögliche Folgen für den Versicherungsschutz, wenn ein Unfall mit ungeeigneter Bereifung als grob fahrlässig gewertet wird.
Wer mit Dienstwagen ins Ausland fährt, sollte die dortigen Regeln kennen. In Österreich gilt die situative Pflicht beispielsweise vom 1. November bis zum 15. April. Für Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen gelten in Deutschland zusätzliche Vorgaben für einzelne Achsen, die Fuhrparkverantwortliche gesondert prüfen sollten.
Bereifung als Teil von Wartung und Instandhaltung
Wartung und Instandhaltung werden im Alltag oft gleichgesetzt, meinen aber nicht dasselbe. Nach DIN 31051 ist Instandhaltung der Oberbegriff. Er umfasst Wartung (vorbeugende Maßnahmen wie Ölwechsel oder saisonaler Radwechsel), Inspektion (Prüfen des Zustands), Instandsetzung (Reparatur) und Verbesserung. Die Bereifung berührt alle vier Bereiche und sollte deshalb nicht isoliert, sondern als Teil des Wartungsmanagements organisiert werden.
Für die laufende Kontrolle zählen vor allem diese Punkte:
- Profiltiefe: Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter. Experten empfehlen für Winterreifen mindestens 4 und für Sommerreifen mindestens 3 Millimeter, weil die Haftung mit abnehmendem Profil deutlich sinkt.
- Reifendruck: Zu niedriger Druck erhöht Verschleiß und Verbrauch und verschlechtert das Fahrverhalten. Neu zugelassene Pkw sind seit November 2014 mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet. Das ersetzt die regelmäßige Kontrolle aber nicht vollständig.
- Reifenalter: Ein gesetzliches Höchstalter gibt es nicht. Das Herstellungsdatum lässt sich an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen. Mit zunehmendem Alter verliert der Gummi an Elastizität, ältere Sätze sollten deshalb besonders sorgfältig geprüft werden.
- Beschädigungen: Risse, Beulen oder Fremdkörper sollten Mitarbeitende melden, statt weiterzufahren. Auch bei der jährlichen Prüfung der Betriebssicherheit gewerblich genutzter Pkw und Transporter gehört die Bereifung dazu.

Reifenwechsel für 50+ Fahrzeuge organisieren
Bei großen Flotten entscheidet die Planung darüber, ob die Umrüstung reibungslos läuft oder ob Dienstwagen bei der ersten Glätte noch mit Sommerreifen unterwegs sind. Bewährt hat sich ein Vorgehen in sechs Schritten:
- Bestand erfassen: Für jeden Wagen dokumentieren, welche Reifensätze vorhanden sind, wo sie lagern, wie viel Profil sie haben und ob sie das Alpine-Symbol tragen.
- Zeitfenster festlegen: Den Wechsel frühzeitig planen, etwa Mitte Oktober und Mitte April, und auf mehrere Wochen verteilen, damit nicht zu viele Dienstwagen gleichzeitig ausfallen.
- Werkstattpartner bündeln: Rahmenverträge mit Reifendienstleistern oder Werkstattnetzen schließen, die an allen relevanten Standorten verfügbar sind und auch die Einlagerung übernehmen.
- Fahrer einbinden: Mitarbeitende automatisch an ihren Termin erinnern, ihnen die Werkstatt nennen und Rückmeldungen zu Schäden oder Auffälligkeiten einfordern.
- Nachweise sammeln: Wechsel, Profiltiefe und Rechnungen pro Auto erfassen, damit der Status jederzeit nachvollziehbar ist.
- Nachkontrolle: Nach Ende des Zeitfensters prüfen, wo der Wechsel noch aussteht, und gezielt nachfassen.
Wichtig ist, die Verantwortung klar zu regeln: Wer bucht die Termine, wer kontrolliert die Umsetzung, und wer entscheidet über den Ersatz abgefahrener Sätze? Bei Leasingfahrzeugen gehört zudem die Frage dazu, ob Bereifung und Wechsel im Leasingvertrag enthalten sind und welcher Dienstleister dafür vorgesehen ist.
Wo sich Kosten senken lassen
Die Bereifung ist ein wiederkehrender Kostenblock, der sich mit guter Organisation deutlich besser steuern lässt:
- Bündelung im Einkauf: Rahmenvereinbarungen mit Reifendienstleistern bieten in der Regel bessere Konditionen als Einzelaufträge.
- Restprofil nutzen: Wer den Zustand jedes Reifens kennt, ersetzt ihn zum optimalen Zeitpunkt und weder zu früh noch zu spät.
- Ausfallzeiten vermeiden: Geplante Termine verhindern kurzfristige Ausfälle und sichern die Mobilität der Mitarbeitenden.
- Bußgelder und Schäden vermeiden: Rechtzeitig gewechselte und geprüfte Reifen senken das Risiko von Unfällen, Bußgeldern und Diskussionen mit der Versicherung.
- Kosten transparent machen: Erst wer Reifenkosten je Wagen auswertet, erkennt Ausreißer, etwa durch ungewöhnlich hohen Verschleiß.
Digital steuern mit Fuhrparksoftware
Im Fuhrparkmanagement großer Flotten stoßen Excel-Listen und E-Mail-Verläufe schnell an Grenzen (siehe auch unseren Beitrag zum Fuhrparkmanagement großer Flotten). Eine Software für das Flottenmanagement bündelt alle Informationen zentral und automatisiert wiederkehrende Prozesse.
Mit Carano Fleet+, der Fuhrparkmanagement-Software der CarWise Group, planen Fuhrparkmanager Wartungs- und Servicetermine zentral in einem System. Wiederkehrende Termine wie die saisonale Umrüstung lassen sich individuell planen und automatisiert überwachen. Automatische Erinnerungen informieren rechtzeitig über anstehende Maßnahmen. Reparatur- und Wartungsaufträge können Werkstätten zugewiesen, Aufträge vergeben und Reparaturfreigaben zentral gesteuert werden. Jede Maßnahme wird im technischen Lebenslauf dokumentiert, und Auswertungen zu Instandhaltungskosten zeigen, wo Optimierungspotenzial besteht.
Bereifung bei Leasinggesellschaften und Mobility-Anbietern
Bei Full-Service-Leasingverträgen übernimmt häufig die Leasinggesellschaft die Organisation von Wartung und Bereifung. Das gilt ebenso für Anbieter im Bereich Mobility, die Flotten für ihre Kunden betreuen. Für sie stellt sich dieselbe Herausforderung in noch größerem Maßstab. In LeaseWise werden Wartungen, Schäden und weitere Vorgänge dem jeweiligen Objekt zugeordnet und über Schnittstellen automatisiert verarbeitet. Mehr dazu zeigt die Seite Objektverwaltung.
Fazit
- Die Winterreifenpflicht in Deutschland ist situativ: Bei winterlichen Straßenverhältnissen sind Reifen mit Alpine-Symbol Pflicht, M+S allein reicht seit Oktober 2024 nicht mehr. Auch Halter können ein Bußgeld erhalten.
- Das Management der Bereifung ist Teil von Wartung und Instandhaltung und umfasst Bestand, Wechsel, Einlagerung, Zustandskontrolle und Kosten.
- Für Flotten ab etwa 50 Fahrzeugen sind feste Zeitfenster, gebündelte Werkstattpartner und digitale Erinnerungen der Schlüssel zu einem reibungslosen und effizienten Ablauf.
FAQ zur Bereifung im Fuhrpark
In Deutschland gilt die Winterreifenpflicht situativ und nicht ab einem festen Datum: Sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte herrschen, sind Winterreifen oder Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol Pflicht. Als Orientierung gilt die Faustregel „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern.
Erfassen Sie zuerst den Reifenbestand je Wagen, legen Sie feste Zeitfenster im Frühjahr und Herbst fest und verteilen Sie die Termine über mehrere Wochen. Bündeln Sie Wechsel und Einlagerung bei Werkstattpartnern mit Rahmenvertrag, erinnern Sie Fahrer automatisch an ihre Termine und kontrollieren Sie nach Ablauf des Zeitfensters, wo noch Wechsel offen sind. Eine Fuhrparksoftware übernimmt Erinnerungen, Werkstattzuweisung und Dokumentation.
Nein. Seit dem 1. Oktober 2024 gelten in Deutschland nur noch Reifen mit Alpine-Symbol als Winterreifen. Reifen, die ausschließlich die M+S-Kennzeichnung tragen, erfüllen die Winterreifenpflicht nicht mehr.
Beide. Der Fahrer zahlt ab 60 Euro und erhält einen Punkt. Der Halter, der die Fahrt mit ungeeigneter Bereifung anordnet oder zulässt, zahlt 75 Euro und erhält ebenfalls einen Punkt. Für Unternehmen ist eine dokumentierte Organisation der Bereifung deshalb auch eine Frage der Halterverantwortung.
Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter. Empfohlen werden für Winterreifen mindestens 4 und für Sommerreifen mindestens 3 Millimeter.
Instandhaltung ist nach DIN 31051 der Oberbegriff und umfasst Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung. Wartung bezeichnet die vorbeugenden Maßnahmen, mit denen der Zustand eines Autos erhalten wird, etwa den Ölwechsel oder den saisonalen Radwechsel.
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Hans-Joachim Guth